Deutsch an der 195. Öffentlichen Schule Tbilissi

Eine Webzeitung der 195. Öffentlichen Schule in Tiflis/Georgien

Freitag, April 21, 2006

Das georgische Bildungssystem, von Gegi Gegelia

Ich beauftragte unseren Netzreporter, Gegi Gegelia, anlässlich der Diskussion um das Ferien- und Schuljahresende etwas über das georgische Bildungssystem zu schreiben. Hier nun sein Text. Meine Meinung ist das nicht, aber Pluralität der Meinung gehört ja unbedingt in eine Demokratie. Wäre schön, wenn dieser Grundsatz hierzulande auch mal wieder stärker berücksichtigt werden würde.

Das georgische Bildungssystem
Die georgische Bildung hat eine große Geschichte. Schon im Mittelalter gab es zwei Akademien. Eine in Gelati, Imereti und eine andere in Ikalto, Kacheti. Sie waren sehr stark, darum kamen hierher viele Leute, um zu studieren.


Akademie von Gelati

Vor dem 19. Jahrhundert konnten nur die Kinder von berühmten Leuten in die Schule gehen. Das Ziel der russischen Kolonialpolitik war, die georgische Sprache durch die russische zu ersetzen. Aber der berühmte georgische Autor und Publizist Iakob Gogebashvili machte sehr viel dafür, dass die Kinder in der Schule alles auf Georgisch lernen konnten. Im Jahre 1876 wurde sein Buch "dedaena" (Muttersprache) veröffentlicht. Seit dieser Zeit haben georgische Kinder mit diesem Buch gelernt. Meiner Meinung nach war der Schritt von Gogebashvili sehr notwendig.
Außer Gogebashvili ist noch der Schriftsteller (und jetzt Heilige der Georgischen Orthodoxen Kirche) Ilia Chavchavadze zu nennen. Er schuf eine Gesellschaft zum Schutz der georgischen Sprache. In dieser Gesellschaft konnte man Georgisch lernen, auch wenn man kein Geld hatte. Am 8. Februar 1918 wurde die Staatliche Universität Tbilissi begründet. Das war eine sehr wichtige Änderung für das georgische Bildungssystem. Der erste Rektor der Universität war Petre Melikishvili.
In der kommunistischen Zeit hatte Georgien schon ein Bildungsministerium, aber das Problem war, dass dieses Ministerium nur das machte, was Moskau wollte. In dieser Zeit konnte man nicht über Religion, unsere Sprache und patriotische Sachen nachdenken und ich meine, das war schlecht.
Jetzt hat Georgien ein unabhängiges Ministerium, welches das Schuljahr planen und Bildungsstrategien machen kann. Der Minister, Herr Alexandre Lomaia, hat die Reformen gemacht. Jetzt hat das Bildungsministerium Departements, die ihre eigenen Verantwortlichkeiten haben. Ich glaube, dass wir viel effektiver lernen als früher. Jetzt kann man in georgischen Schulen Geschichte, Georgisch, Mathe, Geografie, Biologie, Chemie, Physik, Fremdsprachen und Sport lernen. Wegen der Reform müssen die Schüler jetzt 12 Jahre lernen und dann nationale Prüfungen ablegen, wenn sie in der Universität lernen wollen. Für die Prüfungen muss man gutes analytisches Geschick haben und alle Sachen gut lernen. Oft haben die Schulen leider nicht die notwendigen Einrichtungen, z.B. Laboratorien. Man muss auch viele Konferenzen und Wettbewerbe machen.
Meiner Meinung nach ist unser neues Bildungssystem sehr gut und effektiv. Jetzt können die georgischen Schüler gut lernen!